„Müssen wir jetzt CSRD machen oder EcoVadis? Und was ist VSME?” Diese Frage hören wir fast wöchentlich, und die Verwirrung ist verständlich, weil die Begriffe durcheinandergeworfen werden. Tatsächlich sind es drei verschiedene Dinge mit verschiedenen Zwecken. Hier die saubere Einordnung.
Die drei in einem Satz
- CSRD ist ein Gesetz (EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung), eine Pflicht für bestimmte Unternehmen.
- VSME ist ein freiwilliger Berichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen, ein vereinfachtes Rahmenwerk, kein Gesetz.
- EcoVadis ist eine Bewertung/Rating durch einen privaten Anbieter, meist von Kunden eingefordert, keine gesetzliche Pflicht.
Anders gesagt: CSRD = „muss ich berichten?”, VSME = „wie berichte ich schlank?”, EcoVadis = „wie werde ich von Kunden bewertet?”.
CSRD: Pflicht, aber für wen?
Die CSRD verpflichtet große Unternehmen (und kapitalmarktorientierte) zu einer umfangreichen Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den ESRS-Standards. Der direkt verpflichtete Kreis ist enger, als viele Mittelständler fürchten. Viele KMU fallen nicht unmittelbar darunter.
Der Haken: der indirekte Druck. Berichtspflichtige Großkunden brauchen Daten aus ihrer Lieferkette und geben Anforderungen nach unten weiter. Genau über diesen Hebel landet das Thema auch bei nicht-pflichtigen Mittelständlern, häufig in Form einer EcoVadis-Aufforderung. Über dieselbe Lieferkette wirken auch andere Regulierungen wie die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR).
VSME: der pragmatische Standard für den Mittelstand
Der VSME (Voluntary SME Standard) wurde geschaffen, damit KMU ihre Nachhaltigkeitsdaten schlank und standardisiert bereitstellen können, ohne den vollen CSRD-Apparat. Er ist freiwillig, aber zunehmend das Mittel der Wahl, um Datenanfragen von Großkunden und Banken effizient zu bedienen, statt jeden Fragebogen einzeln zu beantworten. Für viele Mittelständler ist VSME die realistische Antwort auf den indirekten CSRD-Druck.
EcoVadis: die kundengetriebene Bewertung
EcoVadis ist kein Bericht und keine Pflicht, sondern ein Rating über vier Themenfelder, das Kunden zur Lieferantenbewertung nutzen. Es überschneidet sich inhaltlich mit CSRD/VSME (es geht um dieselben Nachhaltigkeitsthemen), folgt aber einer eigenen Bewertungslogik und verlangt belegbare Nachweise. Wer EcoVadis macht, erfüllt damit nicht automatisch CSRD, und umgekehrt.
Wie die drei zusammenspielen
Die gute Nachricht: Es ist kein Entweder-oder, sondern ein gemeinsames Fundament. Wer seine Nachhaltigkeitsdaten einmal sauber strukturiert (Richtlinien, Kennzahlen, Ziele), kann daraus sowohl einen VSME-Bericht speisen als auch eine EcoVadis-Einreichung belegen und Datenanfragen CSRD-pflichtiger Kunden beantworten. Der Fehler ist, drei getrennte Projekte zu starten; richtig ist eine belastbare Datenbasis, drei Ausspielwege. Genau dieses Fundament (von der CO₂-Bilanz bis zum fertigen VSME-Bericht) bauen wir auf Wunsch mit Ihnen auf; einen Überblick gibt unsere Leistungsseite.
Was das für Sie heißt
- Kommt der Druck von Kunden, die eine Bewertung fordern → EcoVadis ist Ihr akuter Hebel.
- Kommen Datenanfragen von berichtspflichtigen Kunden oder Banken → VSME ist meist der effizienteste Weg.
- Sind Sie selbst im CSRD-Pflichtkreis → das ist ein eigenes, größeres Projekt; klären Sie die Betroffenheit zuerst rechtlich.
Unsicher, was bei Ihnen greift? In der kostenlosen Erstberatung ordnen wir Ihre konkrete Situation ein und zeigen, wie Sie mit einer Datenbasis mehrere Anforderungen bedienen, statt alles dreimal zu machen.
Geschrieben von
Sophia Wagner
Consulting & Operations