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EcoVadis Reassessment Medaille Score

EcoVadis Wiederholungsbewertung: warum die Medaille im zweiten Jahr wackelt

Scorecard-Gültigkeit, wandernde Medaillenschwellen und alternde Nachweise. Was im Reassessment wirklich passiert und was Sie unterjährig sammeln, damit der Score hält.

Tim Keiler
Tim Keiler 7 Min. Lesezeit

„Wir haben doch alles gemacht wie letztes Jahr.” Der Satz fällt fast immer im zweiten Jahr, meistens von jemandem aus dem Einkauf oder der QM, der die neue Scorecard gerade offen vor sich hat. Gleiche Richtlinien, gleiche Belege, im Gesamtscore sogar ein Punkt mehr. Und trotzdem steht dort jetzt Bronze statt Silber.

Das ist kein Fehler im System. Das ist das System.

EcoVadis ist ein Rating, keine Zertifizierung nach einer Norm. Es gibt keine feste Bestehensgrenze, die man einmal erreicht und danach nur noch verwaltet. Bewertet wird in erster Linie das, was Sie belegbar dokumentiert einreichen, ergänzt um öffentlich verfügbare Funde aus der 360°-Watch-Recherche. Eingeordnet wird das Ergebnis relativ zu allen anderen, die kurz vor Ihnen bewertet wurden. Wer das erst beim zweiten Durchlauf merkt, hat schon Zeit verloren.

Die Scorecard hat ein Ablaufdatum

Eine EcoVadis-Scorecard ist zwölf Monate ab dem Veröffentlichungsdatum gültig. Das konkrete Datum steht auf der Plattform direkt neben dem Publikationsdatum, und es ist der einzige Termin, der zählt. Läuft es ab, wird die Scorecard als abgelaufen geführt, die Medaille ist nicht mehr aktiv, und das Logo gehört raus aus Angeboten, Präsentationen und Website.

Zwei Dinge werden dabei regelmäßig verwechselt. Erstens laufen Abonnement und Scorecard-Gültigkeit unabhängig voneinander: Endet Ihr Abo, bleibt die Scorecard ihre zwölf Monate gültig, teilen können Sie sie ohne aktives Abo trotzdem nicht. Zweitens passiert die Wiederholung nicht von selbst. Ist Ihre letzte Bewertung zwölf Monate alt, stößt die nächste Kundenanfrage das Reassessment an, und Geschäftspartner dürfen so eine Anfrage schon bis zu drei Monate vor Ablauf stellen.

Rechnen Sie deshalb rückwärts. Nach vollständiger Einreichung dauert die Analyse durch EcoVadis üblicherweise sechs bis acht Wochen, davor liegt die eigentliche Arbeit an den Nachweisen. Wer am Ablauftag anfängt, hat garantiert eine Lücke in der Kundenkommunikation. Wie sich die Zeitblöcke aufaddieren, haben wir in Wie lange dauert EcoVadis durchgerechnet.

Warum dieselbe Leistung ein Jahr später weniger wert ist

Medaillen hängen an Perzentilen. Platin bekommt das oberste 1 Prozent, Gold die oberen 5, Silber die oberen 15 und Bronze die oberen 35 Prozent aller Unternehmen, die in den zwölf Monaten vor Ihrer Veröffentlichung bewertet wurden. Berechnet wird der Rang am Tag der Veröffentlichung, also gegen ein Feld, das sich jeden Monat verschiebt.

Dazu kam eine Verschärfung, die im Mittelstand bis heute unterschätzt wird. Für Scorecards ab Januar 2024 wurde Bronze von den oberen 50 auf die oberen 35 Prozent gezogen, Silber von den oberen 25 auf die oberen 15. Wer vorher knapp Bronze hatte, war anschließend mit unveränderter Leistung draußen.

Feste Punktgrenzen veröffentlicht EcoVadis nicht, das gehört zur Konstruktion. Aus dem Markt gibt es aber Anhaltspunkte, und die zeigen alle in dieselbe Richtung. Die Einstiegsschwelle für Silber ist zwischen Mitte 2025 und Anfang 2026 von rund 68 auf rund 72 Punkte gewandert, für Gold von rund 77 auf rund 78. Ein Benchmark aus dem Frühjahr 2026 verortet Bronze bei etwa 64 und Silber bei etwa 73 Punkten. Das sind Beobachtungen von Beratungen, keine offizielle Tabelle. Behandeln Sie die Zahlen als Näherung, nicht als Zielmarke. Wie die Stufen aktuell einzuordnen sind, steht in EcoVadis-Medaillen erklärt.

Unabhängig vom Perzentil gilt weiterhin eine harte Nebenbedingung: In jedem der vier Themenfelder brauchen Sie mindestens 30 Punkte. Ein einzelnes schwaches Feld kippt die Medaille, egal wie gut der Schnitt aussieht. Sie ist nicht die einzige. EcoVadis führt weitere Ausschlussgründe, darunter den 360°-Watch-Indikator, Branchen- und Tätigkeitsausschlüsse wie Waffen, Tabak und fossile Brennstoffe sowie unbehobene schwere Beschwerden aus Worker Voice Connect.

Drei Gründe, die nichts mit Ihrer Leistung zu tun haben

Ihre Nachweise altern unterschiedlich schnell. EcoVadis erkennt Richtlinien und Maßnahmenbelege bis zu acht Jahre an, Reporting- und KPI-Dokumente dagegen nur zwei Jahre. Ihre Umweltrichtlinie von 2021 trägt also noch. Der Energiebericht, mit dem Sie im ersten Jahr Punkte geholt haben, trägt beim dritten Mal nicht mehr. Abgelaufene Belege sind der häufigste Grund, warum ein Score in der Wiederholung fällt, obwohl im Unternehmen alles beim Alten geblieben ist.

Die Methodik bewegt sich. EcoVadis aktualisiert Fragebogen und Bewertungsregeln laufend, und 2026 war ein Jahr mit spürbaren Eingriffen. Seit dem 15. April 2026 werden Zertifikate im Status „in progress” (etwa ISO 14001, ISO 45001 oder ISO 27001) nicht mehr bepunktet. Vom selben Stichtag an zählt der Umsatz nicht mehr für den Nachweis der Abdeckung; die Schwellen von 80 und 95 Prozent müssen jetzt über Mitarbeiterzahl oder Standorte belegt werden. Seit dem 7. Mai 2026 wird Scope 2 getrennt nach marktbasiert und standortbasiert abgefragt. Wer diese drei Punkte nicht nachzieht, verliert Punkte ohne eigenes Zutun. Gut geht es andersherum auch: Ein GRI-Bericht „with reference” kann seit April 2026 eine Reporting-Bewertung von bis zu 75 von 100 Punkten bringen, sofern die übrigen Qualitätskriterien für das Reporting erfüllt sind. Vorher wurde er nur als Stärke auf der Scorecard vermerkt, ohne dafür Punkte zu geben.

Externe Funde reden mit. Über die 360°-Watch-Recherche zieht EcoVadis öffentlich verfügbare Informationen aus über 100.000 Quellen heran. Solche Funde wirken auf die Results-Säule und können den Score heben, drücken oder gar nicht berühren. Entstehen tun sie völlig unabhängig von Ihren Antworten im Fragebogen. Im Extremfall kosten sie die Medaille direkt: Fällt der 360°-Watch-Indikator in einem Themenfeld auf 0 oder in zwei Themenfeldern auf 25, sind Sie unabhängig vom Perzentil nicht mehr medaillenfähig.

Was Sie unterjährig sammeln sollten

Der teuerste Fehler im zweiten Jahr ist, das Reassessment wieder als Projekt zu behandeln statt als Routine. Bewährt hat sich ein einziger Ordner, in den über zwölf Monate hinweg alles wandert, was später ein Beleg werden könnte.

Konkret gehören hinein:

  • Kennzahlen mit erkennbarem Berichtszeitraum, für zwei aufeinanderfolgende Jahre. Die Results-Säule lebt von Entwicklung, nicht von einem Einzelwert. Energieverbrauch, Scope-1- und Scope-2-Emissionen (jetzt getrennt), Unfallkennzahl, Abfallmengen, Fluktuation, Anteil geschulter Beschäftigter.
  • Schulungsnachweise mit Datum, Thema und Teilnehmerzahl. Eine Teilnehmerliste aus dem März ist im November nicht mehr zu rekonstruieren.
  • Eine Fristenliste für Zertifikate und Audits.
  • Rückläufe aus dem Lieferantenmanagement, etwa unterzeichnete Verhaltenskodizes, mit der zugehörigen Abdeckung in Prozent.
  • Die Improvement Areas aus Ihrer letzten Scorecard. Seit 2026 sind sie deutlich spezifischer formuliert und benennen fehlende Branchenpraktiken oder Zertifizierungen ausdrücklich. Das ist Ihr Arbeitsplan, kein Anhang.

Zwei Regeln, an denen Einreichungen regelmäßig scheitern: Jedes Dokument braucht Firmenname oder Logo und ein Datum. Und ein Beleg, dem man ansieht, dass er eigens für den Fragebogen produziert wurde, hilft nicht. Was sonst noch teuer wird, steht in den teuersten EcoVadis-Fehlern im Mittelstand.

Beim Reporting lohnt im Mittelstand ein Blick auf VSME. EcoVadis erkennt den Standard inzwischen an: Ein Bericht nach dem Basismodul kann eine Reporting-Bewertung von bis zu 75 von 100 Punkten bringen, Basis- plus umfassendes Modul bis zu 100. Was für Ihr Unternehmen gilt, ordnet EcoVadis, CSRD und VSME ein. Die Datengrundlage ist meist dieselbe wie für die CO2-Bilanz, was den Aufwand halbiert, wenn man beides zusammen plant.

Der zweite Durchlauf ist nicht der erste mit Copy-Paste

Beim Reassessment sind Teile des Fragebogens mit Ihren alten Antworten vorbefüllt, und genau darin liegt die Falle. Durchklicken fühlt sich effizient an und kostet Punkte, weil hinter mancher unveränderten Antwort inzwischen ein abgelaufenes Dokument oder eine geänderte Frage steht. Belege aus früheren Einreichungen bleiben in der Dokumentenbibliothek verfügbar und zählen nicht gegen das Kontingent von 55 neuen Dokumenten pro Bewertung. Prüfen müssen Sie sie trotzdem einzeln.

Seit 2026 sehen bewertete Unternehmen ihre Scorecard zwei Werktage vor der Veröffentlichung im Netzwerk und können sachliche Fehler melden. Nutzen Sie das Fenster, aber erwarten Sie keinen Aufschub. Meldbar sind nur sachliche Fehler, etwa falsche Firmendaten, ein 360°-Watch-Fund, der nicht zu Ihrem Unternehmen gehört, oder ein Beleg, der trotz erfüllter Anforderungen abgelehnt wurde. Widerspruch gegen den Score selbst oder gegen die Gewichtung ist nicht vorgesehen, und nach zwei Werktagen geht die Scorecard ins Netzwerk, auch wenn Ihre Meldung noch geprüft wird.

Wie viel in einer sauberen Aufbereitung steckt, zeigt der Fall der Klaus Martin Hochbau-Tiefbau GmbH: plus 25 EcoVadis-Punkte, ohne dass das Unternehmen seine Nachhaltigkeitsarbeit neu erfunden hätte. Die Leistung war da. Sie war nur nicht so eingereicht, dass ein Bewerter sie anerkennen konnte. Welche Hebel sich sonst noch rechnen, steht in EcoVadis-Score verbessern. Begriffe, die im Fragebogen auftauchen und nirgends erklärt werden, finden Sie im EcoVadis-Glossar.

Zweite Runde ohne Punktverlust

Läuft Ihre Scorecard in den nächsten Monaten ab, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für eine ehrliche Einschätzung und nicht vier Wochen vor der Einreichung. Im EcoVadis-Potenzialcheck sehen wir uns Ihre bestehende Scorecard an und sagen Ihnen schriftlich, welche Belege ablaufen und wo die realistische Zielmedaille liegt. Wenn Sie es lieber besprechen: In der 15-minütigen Erstberatung ordnen wir Ihre Ausgangslage direkt ein. Was wir darüber hinaus übernehmen, steht unter Leistungen.

Tim Keiler

Geschrieben von

Tim Keiler

Geschäftsführer

Häufige Fragen

Wie lange ist eine EcoVadis-Scorecard gültig?

Eine EcoVadis-Scorecard ist zwölf Monate ab dem Veröffentlichungsdatum gültig. Das genaue Datum steht auf der EcoVadis-Plattform im Scorecard-Bereich neben dem Publikationsdatum. Danach wird die Scorecard als abgelaufen geführt, die Medaille ist nicht mehr aktiv und darf in der Außenkommunikation nicht weiter verwendet werden. Abonnementlaufzeit und Scorecard-Gültigkeit sind dabei zwei verschiedene Uhren: Endet das Abo, bleibt die Scorecard ihre zwölf Monate gültig, teilen können Sie sie ohne aktives Abo aber nicht mehr.

Warum verliert ein Unternehmen die EcoVadis-Medaille trotz gleichem Score?

Weil EcoVadis-Medaillen an Perzentilränge gekoppelt sind und nicht an feste Punktzahlen. Platin geht an das oberste 1 Prozent, Gold an die oberen 5, Silber an die oberen 15 und Bronze an die oberen 35 Prozent aller Unternehmen, die in den zwölf Monaten vor Ihrer Veröffentlichung bewertet wurden. Steigt das Durchschnittsniveau im Vergleichsfeld, reicht dieselbe Punktzahl irgendwann nicht mehr für dieselbe Medaille. Dazu kam eine Verschärfung für Scorecards ab Januar 2024: Bronze wurde von den oberen 50 auf die oberen 35 Prozent gezogen, Silber von den oberen 25 auf die oberen 15 Prozent.

Wann sollte man die EcoVadis-Wiederholungsbewertung starten?

Rechnen Sie vom Ablaufdatum der Scorecard rückwärts, nicht vom Tag der Einreichung vorwärts. Die Analyse durch EcoVadis dauert nach vollständiger Einreichung üblicherweise sechs bis acht Wochen, dazu kommt die Zeit für das Aktualisieren der Nachweise. Wer ohne Lücke zwischen alter und neuer Scorecard auskommen will, plant realistisch drei bis vier Monate Vorlauf. Ihre Kunden können eine Anfrage bereits bis zu drei Monate vor Ablauf stellen, und nach zwölf Monaten löst jede neue Anfrage ohnehin ein Reassessment aus.

Welche Unterlagen muss man für das EcoVadis-Reassessment aktualisieren?

Entscheidend ist das Alter der Nachweise, denn EcoVadis erkennt Dokumente je nach Typ unterschiedlich lange an: Richtlinien und Maßnahmenbelege bis zu acht Jahre, Reporting- und KPI-Dokumente nur zwei Jahre, Zertifikate bis zu ihrem Ablaufdatum. Alle Kennzahlen, Nachhaltigkeitsberichte und Verbrauchsdaten brauchen im zweiten Jahr also eine frische Fassung mit klar erkennbarem Berichtszeitraum. Pro Bewertung können 55 neue Dokumente hochgeladen werden; Belege aus früheren Einreichungen bleiben in der Dokumentenbibliothek und zählen nicht gegen dieses Kontingent.

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